Blue Generation
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Die Anfänge

Der sportliche Niedergang des 1.FC seit Beginn der 90er Jahre hinterließ seine Spuren vor allem in der Fanszene. Bezeichnend dafür ist der Zuschauerschwund auf nicht einmal mehr 500 Getreue im heimischen Grube – Stadion, auch waren sämtliche Strukturen und Hierarchien ob dieser Umstände stark beschädigt oder gar zerstört. Kaum etwas ließ auf die guten alten Zeiten schließen, in denen tausende Magdeburger die Stadiontore passierten, bis vielleicht auf die Jahreszahlen der großen DDR – Erfolge auf den Wimpeln.
Wie dem auch sei, mit der Aufstiegssaison 1996/1997 kehrten auch endlich die Zuschauer wieder zurück und mit der einsetzenden Euphorie war auch der nötige Nährboden für neue Schlagzeilen gegeben. Nun fanden sich auch in Magdeburg junge Leute zusammen, inspiriert von den Kurven in Süd – u. Südosteuropa und getrieben von der Vorstellung, der Fanszene in Magdeburg ein neues Gesicht zu geben. Ähnlich wie auch in vielen anderen Städten der Republik gab es die ersten Versuche dem Fanblock Leben einzuhauchen, das Engagement war aber stets auf wenige Einzelpersonen begrenzt. Im Jahre 1997 folgten die ersten koordinierten Pyroshows, u.a. gegen Fortuna Magdeburg und den Dresdner SC.
Die geschädigten Strukturen erholten und entwickelten sich in den Folgejahren, es entstand ein loser Zusammenschluss von Personen, der die Kontakte untereinander mehr und mehr intensivierte. Bis Ende 1999 / Anfang 2000 hatte sich dieser Personenkreis ein kleines Netz gesponnen und von nun an fanden in regelmäßigen Abständen Treffen statt, auf denen erste Aktionen abgesprochen und organisiert werden konnten, zudem agierte man seit geraumer Zeit inoffiziell unter dem Namen „AG Stimmung“.

Blue Generation Magdeburg – Die ersten Schritte

Im November 2000 setzten sich dann neben einigen Einzelpersonen auch Interessierte der größeren Fanclubs „Commando East Side“ und „Blaue Bomber“ zusammen und hoben die Blue Generation aus der Wiege. Ein fester Personenstamm hatte sich mit der Zeit herausgebildet, doch insbesondere die Organisation betreffend verlief vieles noch sehr chaotisch. Zu Arbeitseinsätzen fanden sich oftmals nur eine handvoll Leute auf einem alten Dachboden in Magdeburg – Salbke zusammen und feste Strukturen waren schon gar nicht zu erkennen, so dass das Konstrukt zeit seines Bestehens auf wackligen Füßen stand. Trotzdem konnte man sich optisch einige Male gut in Szene setzen, so z.B. mit Papptafeln gegen Zwickau und in Hohenschönhausen.
Die sportliche Situation in der Saison 2000/2001 war nahezu grandios, aber der geglückte Aufstieg in die Regionalliga brachte die Gruppe an den Rand einer ersten großen Krise. Auswärtsfahrten konnten oder wollten oft nicht zusammen bestritten werden, noch zu zweckgebunden waren die Kontakte untereinander. Zudem traten Unstimmigkeiten auf, denn zunächst fungierte man als eine Art Dachverband der Fanclubs, doch war dieser Tage noch nicht daran zu denken, sich anderweitig zu positionieren. Zusehends entfremdeten sich die Mitglieder und im Dezember 2001 trat das „CES“ geschlossen aus der Gruppe aus, zusätzlich bildeten sich neue junge Gruppierungen. Man hatte einfach kein Konzept, keinen Plan für die Zukunft und verlor so seinen Einfluss auf die nachrückende Generation. Statt die Kräfte zu bündeln, gab es zu diesem Zeitpunkt gar zwei Kurven im Grube – Stadion und so war die Blue Generation bereits 12 Monate nach ihrer Gründung ernsthaft in ihrer Existenz bedroht, wäre da nicht eine der dunkelsten Stunden der Vereinsgeschichte gewesen.

Der 1. FCM ist finanziell am Ende

Sommer 2002 – der Klassenerhalt wurde zwar sportlich erreicht, doch der Club ist Bankrott. Es folgen Zwangsabstieg in die Oberliga und ein Insolvenzverfahren, noch dazu sind die besten Spieler längst über alle Berge. Schwere Zeiten standen bevor, doch für die Fanszene erwies sich diese Situation als wahrer Glücksgriff. Die Niederungen der Oberliga ließen den Wochenendticket – Kult neu aufleben, die Fahrten führten ausschließlich durch den ostdeutschen Raum und konnten so größtenteils wieder zusammen bestritten werden. Viel Zeit also, um bestehende Differenzen ad acta zu legen. Freundschaften wuchsen und entwickelten sich, zudem trug auch das Auftreten der jungen Magdeburger Truppe zu einem Hoch bei. Eine Mannschaft, die eigentlich als nicht oberligafähig galt, konnte erstaunlich gut mithalten.
Auf den Rängen gab es aber nach wie vor zwei Kurven, also alles andere als förderlich für die Fanszene. Das erkannten auch beide Seiten und so gab man sich Mühe, eine Lösung für das bestehende Problem zu finden. Gesucht, gefunden - im November 2002 legte man in Zusammenarbeit mit den Jungs der „Fanatic Ultras Magdeburg“ einen Meilenstein, der bis dato in Magdeburg nicht seines gleichen finden konnte. Gemeinsam organisierte man zum Spiel gegen Chemie Halle Hunderte Fähnchen und mehrere Blockfahnen. Nun waren sich die Parteien also endlich wieder grün und strebten gemeinsam höhere Ziele an, so dass sich in dieser Phase aufkeimender Euphorie auch wieder das „CES“ der Blue Generation anschloss. Trotzdem zogen unlängst schon wieder Gewitterwolken am Horizont auf, denn das Kapitel „BG – Diablos“ hatte begonnen. Kam man sich zunächst durch die gemeinsame Antipathie gegenüber Lok und Halle nahe, entwuchsen daraus gute Kontakte und schließlich sogar eine enge Bindung, die sich mühelos als Freundschaft hat bezeichnen lassen. Leider kam es daraufhin zu harten Differenzen innerhalb der Magdeburger Fanszene und auch gruppenintern gab es große Schwierigkeiten, denn die Freundschaft zu den Diablos hatte nicht nur Befürworter. Alsbald war es gar soweit, dass führende Mitglieder (kurzzeitig) austraten und die Blue Generation bereits zum zweiten Mal sehr nah am Abgrund stand.
Zeit zog ins Land und die Gemüter konnten sich dabei etwas abkühlen, so dass sich auf ein Fortbestehen der BG geeinigt worden ist und nun sogar die Mitglieder der „FUM“ integriert werden konnten. Diese brachten auch gleich einen geeigneten Vorsänger mit, denn Zaun – Olli zog sich langsam aber sicher zurück und machte Platz für die Jungen.
Rückblickend kann behauptet werden, dass die Saison 2002/2003 für die Blue Generation eine sehr ereignisreiche war. Das Zauberwort dieses Tage hieß Gemeinsamkeit, denn aus zweckgebundenen Kontakten hat sich kontinuierlich eine Gruppe gebildet, die tagelang zusammen Choreografien ausarbeitete und sich einem immer stärker werdenden Gruppengefühl bewusst war, nicht zuletzt durch viele gemeinsame Abende in der lieb gewonnen Hütte am Salbker See. Dazu passt ins Bild, dass die Blue Generation in dieser Saison ihre Mitgliederzahl problemlos hat verdoppeln können und weit über 80 Mitglieder zählte.

Respekt in der Fanszene

Nun hatte sich also eine echte Gruppe gefunden, die weiter hart an ihrer Verbesserung arbeitete und zusehends weniger Kritik von außen erntete. Elementare Dinge wie Zusammenhalt, Organisation, Choreografien und Stimmung waren auf einem für uns hohen Level und peu a peu bekam man in allen Schichten der Fanszene Anerkennung und Respekt entgegengebracht. Am 8.Mai 2004 erlebte dann das Ernst – Grube – Stadion die bis zu diesem Zeitpunkt aufwendigste optische Aktion aller Zeiten, als man zum 30-jährigen Jubiläum des Europapokalsieges von 1974 den gesamten Fanblock mit großen Blockfahnen einhüllte. Zurecht konnte man sich danach auf die Schultern klopfen und behaupten, einen für Magdeburg neuen Maßstab gesetzt zu haben.

Die Zeit im Heinrich – Germer - Stadion

Auch in Sachen Stadionneubau tat sich derzeit so einiges, denn so schön das alte Grube – Stadion auch war, höherklassiger Fußball war hier nicht mehr möglich und selbst in Liga 4 bedurfte es einer Ausnahmegenehmigung. Lange musste man in der Magdeburger Fanszene für ein neues Stadion kämpfen, so gab es neben einer groß angelegten Unterschriftenaktion auch eine Fahrradtour zum Auswärtsspiel in Halberstadt, um Land und Stadt auf die Notwendigkeit aufmerksam zu machen. Mit Erfolg! Im Dezember 2004 mussten wir uns vom altehrwürdigen Ernst – Grube – Stadion verabschieden, in welchem der 1.FCM national und international in der Vergangenheit so große Erfolge hat feiern können. Das letzte Punktspiel war zudem ein ganz besonderes, denn die das Stadtbild prägenden Flutlichter waren nochmals in Betrieb und die Blue Generation zündete unzählige Bengalos, wahrlich ein schönes und gleichzeitig sehr emotionales Bild. Spätestens aber nach dem überhaupt letzten Spiel im Stadion gegen Wolfsburg begannen dann die Abrissarbeiten und da das neue Stadion am selben Standort erbaut worden ist, musste der Club samt Anhängerschaft ins Heinrich – Germer – Stadion im Magdeburger Stadtteil Sudenburg ausweichen. Indes befand sich der Club in seiner dritten Oberligasaison nach dem Zwangsabstieg und kaum noch rückten junge Leute nach, denn gute Spiele waren sehr rar gesät, hauptsächlich ging es immer wieder gegen langweilige Dorfmannschaften wie Pößneck, Neugersdorf oder auch Grimma. Dazu kam, dass man sich in dieser Liga spielerisch nicht hat behaupten können und nur noch selten mehr als 1500 Leute den Spielen beiwohnten. Das Wort „Lethargie“ gibt wohl die beste Zustandbeschreibung ab und so kam es, dass im Frühjahr 2005 nicht mal mehr eine Gruppenfahne hing – ein Fanblock war ebenfalls nicht mehr existent. Tiefpunkt. Gruppenintern begann es zudem auch noch zu kriseln, denn Teile der Mitgliedschaft fühlten sich übergangen bzw. bemängelten einen zu autoritären Führungsstil der Gruppenköpfe, bei welchen aufgrund jahrelanger Zugehörigkeit große Teile der Entscheidungsfindung lagen. Den großen Knall gab es dann im Dezember 2005, als nahezu alle Führungsmitglieder aus der Blue Generation austraten und Raum für einen Neuanfang schufen. Wichtig zu erklären ist es dabei jedoch, dass man im Guten auseinander ging und dieser Schritt ein gut überlegter war. Ein Teil dieser Leute organisierte sich im „CES“ neu, mit welchem man seither Hand in Hand auf Augenhöhe arbeitet, und andere zogen sich wiederum fast gänzlich zurück oder stehen uns auch heute noch beratend zur Seite.

Blue Generation – der Neuanfang

Wie dem auch sei, nun lag die Zukunft der Gruppe in den Händen der Jungen und es galt sich neu zu finden. In einigen kurzfristig anberaumten Sitzungen in Stadtfelder Kellergewölben war dann auch schnell der Entschluss gefasst, dass man das Schiff wieder ins ruhige Fahrwasser lenken wird. Da spielte uns dann glücklicherweise auch endlich eine erfolgreich spielende Mannschaft in die Karten, welche in der Saison 2005/2006 den Aufstieg in die Regionalliga erreichte. Dort, wo vor einem Jahr nicht mal mehr eine Fahne hing, standen nun wieder 100 Jugendliche zusammen und besangen den Club, des weiteren kam auch erstmals eine Trommel zum Einsatz, Lichtblick. Hier und da ließen sich zudem auch wieder neue Gesichter blicken und im Jugendclub „Heizhaus“ hatte man ein provisorisches Zuhause gefunden, gute Bedingungen also um den Kontakt zu einigen jungen Gesellen zu intensivieren, denn schon lange mangelte es auch der Gruppe an Nachwuchs – nur wo hätte er auch herkommen sollen?
Nach langer Abstinenz hatte uns zudem auch der Westen endlich wieder, viel Neues gab es zu entdecken und dank der geografischen Lage Magdeburgs waren nahezu alle Spiele mit dem Zug machbar, insbesondere für den langsam gefestigten Stamm der Jugend nicht nur die günstigste -, sondern auch die einfachste Möglichkeit um auf langen Fahrten enge Bindungen aufzubauen. Und so kam dann im September 2006, was irgendwann hat kommen müssen – mit der „Next Generation Magdeburg“ kam unsere Jugendgruppierung auf die Welt. Natürlich keine Neuerfindung, aber sicher die sinnvollste Variante, um der nachrückenden Generation ein Sammelbecken samt Sprungbrett für Höheres zu bieten.

Block U, du bist unsere Zukunft

Nun rückte auch alsbald der Moment nahe, in dem man das im Laufe der Zeit lieb gewonnene Sudenburg wieder verlassen musste und an die „neue alte“ Wirkungsstätte zurückzog. Klar, die Freude auf die Heimkehr war riesig und durch den Neubau waren uns ganz neue Möglichkeiten geschaffen worden, allerdings galt es für uns zunächst die Frage nach dem Standort zu klären. Schnell war dabei auch klar, dass wir dem Stehplatzblock im Eckbereich nichts abgewinnen konnten und stattdessen einen Block im Herzen der Nord als den unsrigen auserkoren. Dieser trug auf den virtuellen Bauplänen, welche seinerzeit im Internet kursierten, den kleinen aber feinen Buchstabenzusatz „U“, so dass an dieser Stelle der heutige Block U geboren war. Das „U“ wie Ultras, ja, so sollte es nach außen hin publiziert werden und daran sollten sich unsere Visionen aufrichten.
Rasend schnell verging die Zeit zwischen Bekanntmachung unserer Pläne und dem Eröffnungsspiel im Dezember 2006, zu welchem die Eintracht aus Braunschweig in Magdeburg gastierte. Die Aufregung an diesem Tage war groß – doch die Freude hinterher noch viel größer. Und auch wenn es dank etlicher zerstörter Sitzschalen und daraus resultierender medialer Hetze eine erste große Bewährungsprobe zu bestehen galt, so waren wir rückblickend mit unserem Wirken mehr als zufrieden. Der Start war also gelungen und von nun an wuchs die Zahl der Sangesfreudigen im Block U von Spiel zu Spiel kontinuierlich an, vor allem Jugendliche bevölkerten die Reihen und wurden zu einem festen Blockbestandteil.

Die Blue Generation in Block U

Die „Jugendarbeit“ ist seither auch eines unserer wichtigsten Aufgabenfelder und insbesondere die Jungs um unsere Jugendgruppe sind redlich um die Kontaktknüpfung bemüht. Insgesamt ist der enorme Zuwachs an Jugendlichen eine sehr erfreuliche und existenziell wichtige Entwicklung, allerdings zeigt er andererseits auch, dass unser Block U noch längst nicht den Kinderschuhen entwachsen ist. Als ein Grundstein der Identitätsbildung ist hier unser Stand zu nennen, der sich kurz nach dem Umzug von einer wackeligen Zeltkonstruktion in eine solide Hütte gewandelt hat und heute die wichtigste Kontakt – und Anlaufstelle darstellt, zudem wird hier die Fanszene mit allerhand Material und Lektüre versorgt. Wichtig ist uns aber vor allem, dass die Jugendlichen eine enge Verbundenheit zu ihrem Block aufbauen und zudem respektvoll zu den führenden Gruppen aufschauen.
Die Blockorganisation ist dabei jedoch nicht die alleinige Aufgabe der Blue Generation, so dass man hier auf einer sehr vertrauten Basis mit dem CES und der NG zusammenarbeitet. Das Wohl von Block U steht steht für uns alle an erster Stelle, so dass die Gruppenzugehörigkeit, ohne jedoch das der Stolz auf diese gemindert wird, im Hintergrund steht.
Die Früchte dieser Arbeit konnten wir sichtbar im Februar 2008 ernten, als wir aufgrund der vielen neuen Gesichter eine erste Blockvergrößerung vollführen mussten. Natürlich ist es dabei nicht immer leicht eine Vielzahl an Leuten problemlos zu integrieren und zu hoch ist noch die Anzahl derer, die unseren Block mit Halbherzigkeit unterwandern. Darum arbeiten wir nun vermehrt an der Ausbildung von Identität und Blockverbundenheit, bei welcher uns das Planet mit guten Texten bei einer Mindestauflage von 750 Stück eng zur Seite steht. Erwähnenswert ist außerdem, dass uns nun mit dem neu geschaffenen Fanprojekt „Club 65“ weitere Türen in unserer – und der Entwicklung von Block U geöffnet worden sind!

Blue Generation, im November 2008

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